Kessie`s Tagebuch - Weblog @ myBLOG.de


Rhythm Is It!

Gestern Abend habe ich den wirklich sehr beeindruckenden Dokumentarfilm "Rhythm Is It!" gesehen.
Er handelte von einem einem Education Projekt mit Schülern und dem Berliner Philarmonikern unter der eitung von Sir Simon Rattle.
Die 250 Kinder kommen von unterschiedlichen Schulen, aus unterschiedlichen sozialen Schichten und haben anfangs auch ganz unterschiedliche Ansichten über das Projekt.
Das Alter liegt etwa zwischen 10 und 20 Jahre.
Bei dem Projekt geht es darum "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky als Choreografie auf die Bühne zu bringen.
Der Choregraf Royston Maldoom und sein Team arbeitet mit den Kindern. Die Anweisungen werden auf englisch gegeben.
Das ist schon mal für die meisten Kids die erste Hürde. Denn Englisch in der Schule und englischer Tanzunterricht sind zwei völlig verschiedene Dinge!
Manche Kinder sind von Anfang an begeistert von dem Projekt. Aber die meisten Kinder haben Probleme sich der geforderten Disziplin während der Proben zu stellen. Sie glauben, dass es ohnehin nicht klappen wird, sind lustlos, überfordert, trauen sich nichts zu und sind oft kurz davor aufzugeben, wenn der Choreograf mal wieder was "zu meckern" hat.
Aber im Laufe der dreimonatigen Proben bemerken die Kinder eine Veränderung an sich. Sie wollen etwas erreichen! Sie wollen plötzlich aufpassen, ihr Bestes geben und sie spüren, dass man an sie glaubt.
Wo Anfangs Unlust und Unkonzentration vorherrschte ist nun Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und Spaß an der Sache zu spüren.
Royston Maldoom hat viel Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen, die er sich in jahrelanger Arbeit als Choreograf angeeignet hat. Er arbeitete z.B. mit ehemaligen Straßenkindern in Äthopien, sozial schwachen Kindern die am Rande der Gesellschaft leben und baute weltweit viele Tanzgruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf.
Er fordert viel von den Kids. Aber er weiß auch, dass sie alle in der Lage sind ihre eigenen persönlichen Grenzen, die siesich und die Gesellschaft ihnen auferlegt haben, zu überschreiten.
Gerade in der heutigen Zeit, wo es den Kindern und Jugendlichen an Perspektiven fehlt, wo sie sich selber aufgeben und nicht mehr an sich glauben etwas erreichen zu können, wo gefrustete Schüler ihre innere Ohnmacht mit Gewalt bekämpfen wollen und wo in der Gesellschaft nur noch Geld zählt ist es um so wichtiger, dass solche Projekte gemacht werden.
Tanzen verbindet! Tanzen verbindet Nationen, Menschen aus unterschiedlichen Schichten, Menschen mit verschiedenen Hautfarben.
Dieser Film hat eines sehr klar gemacht: Jeder kann etwas erreichen. Teil einer Gruppe zu sein, ohne seine Individualität aufzugeben und sich zugehörig zu fühlen ist möglich.
Wir sollten wieder dazu übergehen unsere Kinder auf ihre Stärken aufmerksam zu machen und diese auch zu fördern.
Jedes Kind ist anders und jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit. Nur in unserer Gesellschaft hat man immer das Gefühl, dass von allen Kids erwartet wird sich anzupassen. Wer auffällt, fällt durch das Raster...
Schon in der Grundschule wird nicht mehr auf Neigungen und Persönlichkeit eingegangen. "Verhaltensauffällige" Kinder sind Störenfriede und die Ursachen für ihr Verhalten werden von den wenigsten Lehrern hinterfragt.
Es sind sicherlich nicht nur die Lehrer die gefordert sind etwas zu ändern. Das Elternhaus legt den Grundstein für die Entwicklung des Kindes.
Kindererziehung ist und war nie einfach. Aber wie kann man von einem Kind Respekt erwarten, wenn es diesen auch zu Hause nicht bekommt? Wie kann man von einem Kind erwarten gerne zur Schule zu gehen, wenn Zuhause mit Sprüchen seitens der Eltern die Schule und die Lehrer boykottiert werden?
Miteinander arbeiten sollten Schule und Elternhaus. Aber oft wird gegeneinander gearbeitet!
Kinder aus der zweiten Klasse bringen Srüche gegenüber ihren Lehrern wie "Du hast mir gar nicht zu sagen. Mein Vater hat Beziehungen und dann wirst du schon sehen was passiert...".
Eltern kommen handytelefonierenderweise in das Elterngespräch mit Lehrern oder auch Erziehern aus Kindergarten und Hort. Wo bitte ist denn da das Interesse für ihre Kids? Und genauso eine "scheiß-egal" - Einstellung legen dann auch ihre Sprößlinge an den Tag!
Wieso werden Eltern alleine gelassen, wenn sich in der Schule herausstellt, dass ihre Kinder mit dem Stoff, aus welchen Gründen auch immer, überfordert sind? In Zeiten von ADS, ADHS, Legastenie etc. sollte man von Seiten der Schule auch etwas mehr Hilfestellung erwarten dürfen. Aber viele Lehrer sind überfordert. Sie wollen oder können sich nicht mehr durchsetzen. Sie wollen möglichst ihre Stunden überstehen und die "Störenfriede" aus ihren Klassen verbannen. Natürlich kann man von einem Lehrer nicht erwarten, dass er die Defizite aus dem Elternhaus ausbügelt. Aber man kann durchaus erwarten, dass Lehrer die ihnen anvertrauten Kinder in ihren Stärken unterstützen und sie nicht mit ihren Schwächen runtermachen. Wenn Eltern und Lehrer dazu übergehen würden miteinander zu arbeiten zum Wohl der Kinder, dann wäre den Kindern schon viel geholfen!

Rhythm Is It - der Kinofilm
5.3.06 13:46
 
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